- Erlöse aus Humanpharma und Tiergesundheit stiegen in der Region um insgesamt 5,7 % auf EUR 1,46 Mrd.
- Bereich Humanpharma wuchs um 5,5 % auf EUR 1,25 Mrd. (währungsbereinigt +6,4 %) – die Performance in Österreich ist mit +8 % überdurchschnittlich
- Über 7,5 Mio. Patient*innen versorgt
- Tiergesundheit erwirtschaftete EUR 214,0 Mio.
- Mitarbeiterzahl steigerte sich um 5 % auf 4.940
2024 war für Boehringer Ingelheim RCV (Regional Center Vienna) wieder ein erfolgreiches Jahr. Die Gesamterlöse des Humanpharma- und Tiergesundheitsgeschäfts stiegen um 5,7 % auf EUR 1.461,8 Mio. (2023: EUR 1.383,4 Mio.). Währungsbereinigt wuchsen die Geschäftsbereiche Humanpharma um +6,4 % Mio. und die Tiergesundheit um +8,4 %. Das Boehringer Ingelheim RCV erreichte im Jahr 2024 rund 7,5 Millionen Menschen mit lebenswichtigen Medikamenten. Für 2025 erwartet das Unternehmen ein moderates Wachstum.
Die Gesamterlöse der Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG, die neben Humanpharma und Tiergesundheit auch die Geschäftsbereiche biopharmazeutische Auftragsproduktion, onkologische Forschung und klinische Studien umfassen, gingen aufgrund von Einmaleffekten um 11,8 % auf EUR 2.156,4 Mio. (2023: EUR 2.446,6 Mio.) zurück. Grund dafür ist der Rückbau des Vorratsbestandes in den RCV-Ländern, auf ein normales Niveau. Dieser war 2023 aufgrund einer ERP-Systemumstellung (ERP=Enterprise Resource Planning) vergrößert worden.
Pavol Dobrocky, Generaldirektor des Boehringer Ingelheim RCV, zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden: „Das Boehringer Ingelheim RCV kann auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurückblicken. Für 2025 haben wir vor allem zwei Ziele: Wir wollen einerseits das Potenzial unserer bestehenden Produkte voll ausschöpfen, um noch mehr Patientinnen und Patienten mit unseren lebensverändernden Produkten zu versorgen. Andererseits entwickelt sich unsere Produkt-Pipeline zügig weiter und wir werden 2025 wichtige Meilensteine erreichen. Das heißt, wir müssen uns schon jetzt auf kommende Markteinführungen vorbereiten.“
Das Boehringer Ingelheim RCV trägt nicht nur die Verantwortung für den österreichischen Markt, sondern betreut über 30 weitere Länder von Mittel- über Osteuropa bis hin zu Zentralasien, Israel und der Schweiz. 2024 beschäftigte das Unternehmen in der Region durchschnittlich 4.940 (2023: 4.686) Mitarbeitende, davon 3.451 (2023: 3.247) in Österreich. Das entspricht einem Plus von 5 % in der Region und 6 % in Österreich.
Humanpharma wuchs weiter
Im Bereich Humanpharma verzeichnete Boehringer Ingelheim RCV ein Umsatzwachstum von 5,5 % (währungsbereinigt +6,4 %) auf EUR 1.247,8 Mio. „Wie auch in den letzten Jahren verdanken wir diese positive Entwicklung in erster Linie zwei Medikamenten, deren Potenzial für die Gesundheit von Menschen wir stetig besser ausschöpfen“, verdeutlicht Dobrocky. So legte Jardiance® beim Umsatz um 29 % zu und Ofev® um 16 %. Jardiance® ist für die Behandlung von kardio-renal-metabolischen Erkrankungen zugelassen. Ofev® wird zur Behandlung von Formen der Lungenfibrose eingesetzt.
Überdurchschnittliches Wachstum in Österreich
In Österreich entwickelte sich der Humanpharma-Markt für Boehringer Ingelheim überdurchschnittlich gut. Mit einem Anstieg von 8,0 % von EUR 121,4 Mio. auf EUR 131,1 Mio. wuchs das Land 2024 stärker als die Region (+5,5 %).
Auch der Bereich Tiergesundheit wuchs
Die Tiergesundheit steuerte wieder ihren Anteil zum Wachstum von Boehringer Ingelheim RCV bei. Mit einem Plus von 6,9 % (währungsbereinigt +8,4 %) erwirtschaftete der Bereich 2024 EUR 214,0 Mio. (2023: EUR 200,2 Mio.).
Das Wachstum war in allen Segmenten (Kleintiere, Geflügel, Schweine und Rinder) ähnlich stark, was die Ausgewogenheit und Attraktivität des Portfolios belegt. NexGard® ist das meistverkaufte Produkt. Im selben Segment konnte Frontpro®, ein OTC-Produkt, seine Position hauptsächlich durch die Einführung in neuen Märkten innerhalb des RCV weiter stärken.
In Österreich ist Boehringer Ingelheim Marktführer auf dem Tiergesundheitsmarkt. Der Umsatz stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr von EUR 19,5 Mio. 2023 auf EUR 20,3 Mio. (+4,3 %).
Forschungspipeline: Zulassung neuer Medikamente
Mit aktuell mehr als 50 klinischen Studien (Phase 1: 27; Phase 2: 18; Phase 3: 7)* ist die Forschungspipeline von Boehringer Ingelheim sehr gut gefüllt. Zwei Wirkstoffe, Nerandomilast und Zongertinib, befinden sich in der Zulassungsphase. „Wir erwarten in den nächsten Jahren neue Behandlungsoptionen bei Lungenfibrosen, bei metabolisch dysfunktionsbedingter Steatohepatitis (MASH), chronischer Herzinsuffizienz und in der Onkologie. Auf globaler Ebene streben wir bis 2030 an, bis zu 20 neue Medikamente auf den Markt zu bringen“, erklärt Pavol Dobrocky.
Das Boehringer Ingelheim RCV ist das Krebsforschungszentrum des Unternehmensverbands. Rund 430 Mitarbeitende aus 32 Nationalitäten erforschen am Standort Wien neue Krebstherapien. Im September 2024 wurde dafür das neue Angelika Amon Forschungsgebäude eröffnet.
Für Zongertinib hat die FDA den Zulassungsantrag angenommen und ihm eine vorrangige Prüfung für die Behandlung erwachsener Patienten mit inoperablem oder metastasiertem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit HER2-Mutationen (ERBB2), die sich einer systemischen Vortherapie unterzogen haben, gewährt. Im Falle einer Zulassung wäre Zongertinib die erste oral verabreichte zielgerichtete
Therapie für vorbehandelte Patienten mit HER2-mutiertem Lungenkrebs. Mark Petronczki, Head of Oncology bei Boehringer Ingelheim, verdeutlicht: „Rund 80 Prozent der Patient*innen mit HER2-mutierten nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom sprechen nicht auf Medikamente an, die dem aktuellen Standard entsprechen. Unser neuer Wirkstoff könnte diesen Menschen eine neue Therapieoption bieten.“
Biopharmazie: Neue, innovative Produktionstechnologie
Boehringer Ingelheim vermeldete auch in der Verfahrensentwicklung der biopharmazeutischen Produktion einen Durchbruch. Vor kurzem gelang es Boehringer Ingelheim in Kooperation mit Sutro Biopharma, eine zellfreie Produktionstechnologie von einer kleinen Produktionsmenge auf eine Großproduktion hochzuskalieren. Das gilt als Meilenstein in der Branche. Eine Großpro-duktion außerhalb von Zellen weist gegenüber herkömmlichen Methoden bestimmte Vorteile bei der Sicherheit und Wirksamkeit auf. Diese Innovation könnte bei Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (engl.: antibody drug conjugate) der nächsten Generation angewendet werden, die gegen eine Vielzahl von Krebsarten gerichtet sind.
„Wir freuen uns sehr, dass unsere langjährige Partnerschaft mit Sutro den Grundstein für die Wahl unseres Standorts zur Demonstration der Technologie im kommerziellen Maßstab gelegt hat, was unseren Ruf als Herstellungsexperten unterstreicht“, sagt Tilman Rock, Standortleiter der Biopharmazie in Wien.
Die biopharmazeutische Produktion ist in Österreich auf Kurs. Während die mikrobiellen Produktionsanlagen mit zwei weiteren Produktzulassungen 2024 punkteten, ist die Zellkultur-Produktion nach der Eröffnung 2021 voll angelaufen und beliefert den Weltmarkt mit mehreren Produkten. Eines davon ist das Boehringer-Produkt Actilyse® zur Behandlung von ischämischen Schlaganfällen und Herzinfarkten.
Ausblick auf 2025
„Wir erwarten für das Boehringer Ingelheim RCV für 2025 ein moderates Wachstum. In der Humanpharmazie stehen einer anhaltend wachsenden Nachfrage im CRM-Bereich** und bei Lungenfibrosen sinkende Marktanteile bei etablierten Produkten wie Pradaxa oder Trajenta gegenüber, deren Patente abgelaufen sind. Jetzt geht es darum, die vielversprechenden Wirkstoffkandidaten in unserer Pipeline möglichst rasch zu den Patientinnen und Patienten zu bringen. In der Tiergesundheit rechnen wir mit einem Wachstum leicht über dem Markt“, zeigt sich Dobrocky zuversichtlich.
*https://www.boehringer-ingelheim.com/science-innovation/human-health-innovation/clinical-pipeline, Stand: 2. April 2025
**CRM: Cardio Renal Metabolism (Herz-Nieren-Stoffwechselerkrankungen)
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